Ertrinkt man bei 100 % Luftfeuchtigkeit oder nicht?

Die Luftfeuchtigkeit kann mit zwei verschiedenen Werten angegeben werden. Mit der absoluten und relativen Luftfeuchtigkeit. Die absolute wird in Gramm, die relative in Prozent angegeben. Die relative Feuchte kann also zwischen 0 % und 100 % liegen. Wenn die Luftfeuchte 100 % beträgt, ist die Luft gesättigt und kann kein Wasser mehr aufnehmen. Allerdings ist sie immer noch gasförmig und nicht flüssig.

» relative und absolute Feuchtigkeit

Als Luftfeuchtigkeit wird der Wasserdampfgehalt der Luft bezeichnet. Auf den ersten Blick erscheint es dabei verwirrend, dass die Feuchtigkeit der Luft mit zwei verschiedenen Angaben benannt werden kann. Dies liegt allerdings darin begründet, dass warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kalte.

So kann Luft, die eine Temperatur von 5° Celsius hat, in etwa 7 Gramm Wasser je Kubikmeter aufnehmen. Wird die Luft nun erwärmt, kann sie mehr Wasser aufnehmen. Beispielsweise kann warme Luft, die um die 30° Celsius hat, ungefähr 30 Gramm Wasser aufnehmen. Die Menge Wasserdampf, die maximal von der Luft aufgenommen werden kann, nennt man Sättigungsmenge.


Sättigungsmenge bei kalter und warmer Luft.

» Sättigungsmenge der Luft

Das bedeutet, dass in einen „warmen“ Kubikmeter Luft mehr Wasser „rein passt“. Wenn in einem Kubikmeter Luft, der eine Temperatur von 5° Celsius hat, 6 Gramm Wasser stecken, ist dieser relativ betrachtet, schon sehr gut gefüllt – lediglich 1 zusätzliches Gramm könnte noch aufgenommen werden.

Würden sich allerdings in einem Kubikmeter Luft, der eine Temperatur von 30° Celsius hat, 6 Gramm Wasser befinden, könnten in etwa noch 24 Gramm mehr Wasser aufgenommen werden. Daraus folgt, dass in beiden Fällen die absolute Luftfeuchtigkeit 6 Gramm betragen würde, da ja absolut gesehen 6 Gramm Wasser auf einen Kubikmeter Luft kommen.

Relativ gesehen ist bei der kälteren Luft allerdings „das Ende der Fahnenstange“ erreicht. Hier würde maximal noch ein Gramm „passen“. Das bedeutet, die kalte Luft ist beinahe gesättigt und deshalb würde die relative Luftfeuchtigkeit in diesem Fall um die 85 % betragen. Die relative Luftfeuchtigkeit meint also den prozentualen Anteil an der maximalen Menge Luft, die aufgenommen werden kann. Im Fall der 30° Celsius warmen Luft, die 6 Gramm Wasser enthält, aber insgesamt 30 Gramm aufnehmen könnte, läge die relative Feuchte bei 20 %.

Wichtig ist nun, dass 100 % Luftfeuchtigkeit also nur meinen, dass die Luft das Maximum an Wasser(dampf) aufgenommen hat, was bei dieser Temperatur möglich ist. Wenn die absolute Luftfeuchtigkeit allerdings steigt, wird der steigende Anteil des Wassers durchaus von uns wahrgenommen. Deshalb wirken feucht-warme Sommertage nämlich besonder schwül. Das ist immer dann der Fall, wenn der Messwert der absoluten Feuchtigkeit über 13,5 g liegt. Dies ist ab 16 °C und einer relativen Feuchte von 99 % möglich.

Fazit: Nein! Es ist nicht möglich, zu ertrinken, wenn die Luftfeuchtigkeit auf 100 % steigt. Hierbei geht es lediglich darum, dass die Luft die maximalen Einheiten Wasser aufgenommen hat und demzufolge gesättigt ist. Sie ist aber immer noch gasförmig. Dieses Maximum steigt, wenn sich die Luft erwärmt. Die absolute Luftfeuchtigkeit meint die absolute Menge Wasser, die die Luft aufnehmen kann. Ab einer großen Menge absoluter Feuchte wird die Luft aber als sehr feucht und unangenehm empfunden, was in seltenen Fällen zum Kreislaufkollaps führt.