Luftfeuchtigkeit messen

Die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen hat einen sehr großen Einfluss auf die Schimmelbildung und auf das Wohlbefinden des Menschen. Um Schimmel vorzubeugen und ein behagliches Raumklima zu schaffen, ist es hilfreich, die Luftfeuchtigkeit zu messen, um anschließend die optimale Feuchtigkeit austarieren zu können. Das Messen der relativen Luftfeuchtigkeit ist mithilfe eines Hygrometers, also eines Feuchtigkeitsmessers, möglich.

» Was ist Luftfeuchtigkeit?

Als Luftfeuchtigkeit, auch Luftfeuchte, wird der Wasserdampfgehalt der Luft bezeichnet. Es geht also darum, wie viele Einheiten Wasserdampf in einer Einheit Luft vorhanden sind. Hierbei spielt die Temperatur eine entscheidende Rolle: warme Luft kann nämlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft.

Deshalb unterscheidet man in relative und absolute Luftfeuchtigkeit. Die absolute Luftfeuchtigkeit wird in Gramm (g / m³) und die relative in Prozent (%) angegeben. Wenn die Luftfeuchtigkeit in Räumen gemessen wird, spricht man von der relativen Luftfeuchtigkeit und erwartet folglich eine Angabe in Prozent.

» Unterschied: relative und absolute Luftfeuchtigkeit

Mitunter ist es verwirrend, dass es zwei Angaben in Bezug auf die Feuchte gibt. Dies liegt darin begründet, dass die Luft unterschiedliche Mengen Wasserdampf aufnehmen kann, was von der vorherrschenden Temperatur abhängt.

Beispielsweise kann Luft, die eine Temperatur von 5° hat, in etwa 7 Gramm Wasser je Kubikmeter aufnehmen, wohingegen Luft, die eine Temperatur von 30° hat, in etwa 30 Gramm Wasser je Kubikmeter aufnehmen kann. Das bedeutet, dass in warme Luft mehr Wasserdampf „passt“.


Sättigungsmenge bei kalter und warmer Luft.

Die absolute Luftfeuchtigkeit meint diese absolute Menge. Wären in der Luft, die 5° hat, genau 7 Gramm Wasser, würde man folglich von einer absoluten Luftfeuchtigkeit von 7 g/m³ (7 Gramm auf einen Kubikmeter) sprechen. Das bedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der Temperatur der Luft und ihrer Fähigkeit, Wasserdampf aufzunehmen, gibt (Sättigungsmenge).

Die relative Luftfeuchtigkeit meint nun den prozentualen Anteil an dieser maximalen Menge. Hätte die Luft, die eine Temperatur von 5° hat, also 7 Gramm Wasserdampf aufgenommen, würde diese eine relative Luftfeuchtigkeit von 100% bedeuten. Die Luft wäre in diesem Fall gänzlich gesättigt. Würde die Luft allerdings eine Temperatur von 30° haben, könnte sie rund 30 Gramm Wasser aufnehmen. Wären in dieser Luft nun 7 Gramm Wasser enthalten, würde die relative Luftfeuchtigkeit gerade einmal ~22% betragen.

Zusammenfassung: Die absolute Luftfeuchtigkeit meint die tatsächliche Menge Wasser(dampf), die in der Luft enthalten ist. Da die Luft aber, wenn sie wärmer wird, mehr Wasser aufnehmen kann, spricht man von der relativen Luftfeuchtigkeit. Hat die Luft eine Temperatur von 5° und sind 7 Gramm Wasser auf einem Kubikmeter enthalten, wäre die absolute Luftfeuchtigkeit 7 g/m³ und die relative Feuchte 100%. Wäre die Luft nun aber 30° warm und würde die Menge des Wassers identisch bleiben, wäre die absolute Luftfeuchtigkeit immer noch 7 g/m³, wohingegen die relative Luftfeuchtigkeit in etwa ~22% betragen würde. Daraus folgt, dass 100% relative Feuchtigkeit bei kalter Luft weniger absolute Feuchtigkeit sind, als 25% relative Feuchtigkeit bei heißer Luft (vgl. Bei 100 % Feuchte ertrinken?).

» Warum ist das wichtig?

Der Umstand, dass warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann als kalte, ist vor allem für Wohnräume entscheidend. Es bedeutet nämlich, dass sich das Wasser, das nicht mehr in die Luft „rein passt“, in der Wohnung niederschlägt. Dadurch sind die Wände feucht, was einen idealen Nährboden für Schimmel bedeutet.

Wenn im Winter durch richtiges Lüften Luft in die Wohnung gelassen wird, werden die Räume mit kalter Luft geflutet. Diese enthält, weil sie kalt ist, wenig Wasser. Durch die Wärme der Wohnung wird die Luft schnell erwärmt, weshalb sich ihre Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, enorm erhöht. Folglich kann im Winter durch das Stoßlüften sehr viel Feuchtigkeit in Windeseile aus der Wohnung getragen und die Luftfeuchtigkeit drastisch gesenkt werden.

» Wie misst man Luftfeuchtigkeit?

Luftfeuchtigkeit messen meint also in der Regel, das Messen der relativen Luftfeuchte. Um den relativen Wasserdampfgehalt der Luft festzustellen, wird ein Messinstrument verwendet. So ein Gerät wird als Hygrometer bezeichnet. Dabei werden verschiedene Verfahren zur Messung angewandt. Im Alltag kommen aber vor allem Absorptionshygrometer zum Einsatz.

Als Absorptionshygrometer werden Hygrometer bezeichnet, die auf einem hygroskopischen (wasseranziehend) Material basieren. Das Material ändert hierbei bei einer Zu- oder Abnahme der Luftfeuchtigkeit seine Beschaffenheit, wodurch die Messung möglich wird. Das bekannteste Absorptionshygrometer ist mit Sicherheit das Haarhygrometer, das bereits 1783 von Horace-Bénédict de Saussure erfunden wurde. Dadurch waren genaue Messungen möglich.

Wesentlich ist für die Funktionsweise, dass das tierische und menschliche Haar auf die Feuchtigkeit in der Luft, die es umgibt, reagiert. Bei trockener Luft – eine relative Luftfeuchtigkeit von 0% angenommen – hat das Haar gewissermaßen seine „tatsächlichen Länge“ und dehnt sich dann bei gesättigter Luft – eine relative Luftfeuchtigkeit von 100% angenommen – bis zu 2,5% aus. Diese Abweichungen lassen sich messen und mechanisch auf eine Anzeige übertragen.

Um die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zu messen, kommen meist digitale Hygrometer zum Einsatz. Moderne elektronische Absorptionshygrometer basieren auf der Veränderung der elektrischen Eigenschaften eines Sensors. Man unterscheidet zwischen kapazitiven Sensoren und Impedanzsensoren.


  • Kapazitative Sensoren haben eine nichtleitende, aber wasseranziehende Substanz (etwa Kunststoff-Polymere, keramische Werkstoffe etc.) zwischen den zwei Elektroden eines Kondensators. Absorbiert diese Substanz nun Feuchtigkeit, nimmt diese also auf, ändert sich in der Folge die elektrische Kapazität des Sensors. Dadurch wird die Luftfeuchtigkeit messbar.
  • Impedanzsensoren nutzen eine hygroskopische (wasseranziehende) Schicht zwischen zwei Gleichstrom-Elektroden. Wird nun Feuchte absorbiert, also von dieser Schicht aufgenommen, ändert sich ihr ohmscher Widerstand. Ebendieser Veränderung lässt sich messen und in relativer Luftfeuchtigkeit ausgeben. Als Schicht kommen hierfür beispielsweise Aluminiumoxid oder auch hygroskopische Kunststoff-Polymere zum Einsatz.
Zusammenfassung: Die Luftfeuchtigkeit lässt sich mittels Hygrometer messen. Es gibt verschiedene Geräte und Verfahren (vgl. Arten und Messverfahren). In Wohnräumen kommen zumeist Absorptionshygrometer zum Einsatz, die auf hygroskopischen (wasseranziehend) Material basieren. Es gibt analoge Absorptionshygrometer (vgl. Haarhygrometer) und elektronische Absorptionshygrometer mit digitaler Anzeige. Diese modernen Hygrometer werden in den meisten Haushalten zur Messung der Luftfeuchtigkeit verwendet.

» Optimale Luftfeuchtigkeit

Die optimale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen gibt es nicht. Diese hängt nämlich zum großen Teil auch von den eigenen Vorlieben ab. Allerdings gibt es optimale Spielräume, in denen die Atemwege und Schleimhäute nicht gereizt werden und der Schimmel nicht gedeiht. Nachfolgend eine Übersicht der „optimalen“ Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen.

Raum Optimale Temperatur Optimale Luftfeuchtigkeit
Arbeitszimmer 20 °C 40 – 60 %
Badezimmer 23 °C 50 – 70 %
Keller 10 – 15 °C 50 – 65 %
Kinderzimmer 20 – 22 °C 40 – 60 %
Küche 18 °C 50 – 60 %
Schlafzimmer 16 – 18 °C 40 – 60 %
Wohnzimmer 20 °C 40 – 60 %

» Anmerkungen

  • Die optimale Raumtemperatur beträgt um die 20° Celsius. Dies hängt natürlich von der Nutzung des Raumes ab. In Räumen, die dazu gedacht sind, sich länger in ihnen aufzuhalten, ist dies aber ein guter Maßstab. Temperaturen unter diesem Punkt werden als kühl wahrgenommen.
  • Im Schlafzimmer kann dieser Wert unterschritten werden, da der Raum tagsüber nicht genutzt wird und nachts eine Decke Wärme spendet. Diese Empfehlung spart auf das Jahr gerechnet Heizkosten.
  • In der Küche kann der Wert auch unterschirtten werden. Dies liegt darin begründet, dass dieser Raum in der Regel durch andere Geräte gewärmt wird (Herd, warmes Wasser etc.). Folglich muss auch hier nicht so stark für die Wohlfühltemperatur geheizt werden.
  • Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt bei Werten zwischen 40 % und 60 %. Fällt die relative Feuchtigkeit unter diesen Wert, können Augen, Atemwege und Schleimhäute gereizt werden. Ist die Feuchtigkeit höher, fördert dies die Schimmelbildung. Einige Schimmelarten gedeihen bereits ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % außerordentlich.
  • Die Luftfeuchte kann in Küche und Bad teilweise über 70 % steigen. Das ist normal, da durch das Duschen und Baden oder auch Kochen sehr viel Feuchtigkeit in die Luft abgegeben wird. Wird in diesen Räumen eine Feuchtigkeit gemessen, die über 70 % liegt, ist dies für einen kurzen Augenblick nicht schlimm. Allerdings sollte das nicht der Dauerzustand sein und es sollte es zur Gewohnheiten werden, nach dem Duschen und Kochen den Dampf durch gezieltes Lüften aus den vier Wänden zu lassen.
  • Auch im Keller ist eine erhöhte relative Luftfeuchtigkeit normal. Dies liegt darin begründet, dass es hier zumeist kälter ist und die Raumluft demnach weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann. Folglich kommt es auch hier häufiger zur Kondenswasserbildung an den Wänden. Eine Luftfeuchtigkeit von 65 % sollte aber auch hier kein Dauerzustand sein.
Zusammenfassung: Die optimale relative Feuchtigkeit bewegt sich zwischen 40% und 60 %. Niemals sollte die relative Feuchtigkeit unter 30 % fallen, da dies die Atemwege und Augen enorm reizt, wohingegen sie außerdem nicht über 70 % steigen sollte. Ab diesem Wert gedeihen einzelne Schimmelarten schon außerordentlich.